Vom Storytelling zur Produktstory am 13 Mrz. 2012

Ein bisschen Erzähltheorie hilft den Alltag besser zu bewältigen

Der Blog, „Das Geheimnis des Raxkönigs“ spannte einen großen Bogen zum Thema Storytelling und dem Aufbau einer authentischen Produktgeschichte.
Der gravierende Unterschied zwischen den Begriffen „Storytelling“ und „Produktgeschichte“ bedarf zum allgemeinen Verständnis allerdings einer ergänzenden Erläuterung. Das Storytelling berichtet über die „Kunst des Erzählens“ in verschieden Bereiche (Bildung, Therapie, Wissensmanagement, Corporate Publishing oder der Unternehmenskommunikation).
Im vorliegenden Fall beschäftige ich mich mit der Methode des Storytellings aus der Perspektive der Inszenierung von Erlebnisräumen bzw. für die touristische Produkt- und Angebotsentwicklung. Die Produktgeschichte stellt bereits ein konkretes Umsetzungsbeispiel (in diesem Fall für die Aufbereitung des Produktes eines Leitwanderweges für die Destination Wiener Alpen) dar.

In der Erzähltheorie (laut Gérad Genette) wird zwischen Erzählung (mündlicher oder schriftlicher Diskurs, der von einer Reihe von Ereignissen berichtet), der Geschichte (narrativer Inhalt) und der Narration (der narrative Akt) unterschieden.

Scheint diese Definitionsdiskussion im ersten Augenblick als „Pfennigfuchserei“ so entpuppt sich beim genauern hinsehen, dass ein Geschichtenschreiber/Texter (nicht der Erzähler) über diese Differenzierungen Bescheid wissen muss, um dieses „Instrument“ richtig spielen zu können.
Die Narration, der Akt des Erzählens (wir nennen es salopp „Inszenierung“), verlangt einerseits eine genaue Festlegung der Erzählinstanz (wer erzählt die Geschichte wann, wie und wo?) und andererseits gibt sie die Möglichkeit der freien Auswahl der Erzählperspektive (wird die Geschichte aus der Perspektive eines Teilnehmers an der Geschichte, dem Held, einem Zeugen, eines Beobachters oder von einem außerhalb der Geschichte stehendem Autor erzählt?)

Grafik zu Storytelling

In einer authentischen Produktgeschichte für eine Landschaft sind einige der angesprochenen Positionen fix vergeben. So z.B. die der Erzählinstanz: Die Erzählinstanz wird auf erster Ebene durch die realen Standorte, die individuellen Standortobjekte (soweit diese in der Geschichte Bedeutung haben) und die landschaftsrelevanten Attraktionen repräsentiert, und erst auf zweiter Eben textlich, verbal oder bildlich unterstützend sichtbar gemacht. Das bedeutet einen massiven Bruch mit der weit verbreiteten Praxis, über große Tafeln und ausufernde Beschreibungen eine Objektbeschreibung oder an beliebigen Standorten willkürliche „Erzählungen“ durchzuführen.
Zu wenig Aufmerksamkeit wird meines Erachtens auf die Auswahl von verschiedenen Erzählperspektiven gelegt. Meistens begnügt sich der Erzähler (die Thementafel oder die Objektbeschriftung) mit der Position des außen stehenden, allwissenden und meist anonymen Autors.
In der Inszenierung des Erlebnisweges „Der Flug des Falken“ habe ich vorgeschlagen, einfach den Falken als Held und authentische Zeitzeugen aus seiner persönlichen Perspektive seine „persönlichen“ Erinnerungen an die jeweiligen Schauplätze preis zu geben. Und siehe da, alles wird leichter, humorvoller, persönlicher und weniger lehrhaft. Unsere Wanderer sind nämlich in erster Linie nicht unterwegs, um etwas zu lernen, sondern um eine beglückende Erfahrung zu machen.