Gipfeltreffen – Der Landschaft auf´s Maul gschaut! am 31 Jan. 2010

Die LandsGipfeltreffen_Hechenblaiknerchaft ist  ein wesentliches Auswahlmotiv bei der Reiseplanung.  Mit dem Bild der Alpen wird automatisch eine Vorstellung der Erholung, des Wohlbefindens und der Naturnähe  assoziiert. Jahrhunderte alte Mythen haben unsere Einstellung zur Alpenlandschaft geprägt und leiten gemeinsam mit neuen Ansprüchen und Erwartungen unserer  Buchungsentscheidungen.  Dabei ist eine schleichende Änderung unseres Alpenbildes augenscheinlich.

Diese Veränderung hat der Tiroler Fotograf Lois Hechenblaikner in einer Gegenüberstellung „Gipfeltreffen” von Aufnahmen von 1936 bis 1970 witzig und impressiv sichtbar gemacht. (http://www.zeit.de/kultur/kunst/2009-12/bg-bergwelten). Ihm ist es dabei auf oft witzige Weise gelungen, den Unterschied in der Gleichartigkeit unsere Raumeroberung herauszuschälen und uns von der Landschaft ihre Geschichte erzählen zu lassen.

Wir merken, dass durch die symbolische Verpackung der Produktfaszination „Natur”  eine tiefgreifende Veränderung in der Beziehung zum Ort mit neuen, mystisch und mytischen  Dimensionen in der Raumwahrnehmung bewirkt werden.

Magische Momente entstehen, wenn wir die Magie eines Ortes erahnen können, das heißt sein Wesen, das Wesentliche dahinter, seine Essenz verstehen und denken können. Der Geist eines Ortes wird lebendig, wenn wir eine gewisse  Heiligkeit, eine spirituelle, persönliche und spezifische Präsenz, die den Ort beseelt, mit höherem Sinn erschauen. Die Heiligkeit ist dabei als Art Spiegel zu begreifen, in dem sich die physische Welt nur als Reflexion der tieferen und wirklicheren Welt zeigt. (Paul Devereux – der heilige Ort)

Außerordentlichkeit von Orte enstehen lassen, heißt daher den Mut haben, aus bisherigen Denkmustern herauszutreten, eine Perspektivenveränderung zulassen und selbst den Mut aufzubringen, etwas anderes zu denken. Da unsere Aufmerksamkeit die Gedanken lenkt (Oscar Schellbach) und da unser Hirn was nicht von Interesse ist gnadenlos ausselektiert, müssen wir wirkungsvolle  Erlebnisräumen durch Orte gestalten. Orte, die einladen, mit offenen Augen zu träumen, den Geist des Besuchers aus dem Gefängnis des Alltags befreien und ihn einladen, das Besondere zu denken.

Es geht daher in der Nutzung eines neuen Naturverständnisses und von neuen Ansprüchen an Naturerleben darum, Chora, die geheimnisvolle Ortseigenschaft, den Genius Loci aufzuspüren, Topos, die physikalischen Aspekte eines Ortes als Fusion von Selbst, Raum und Zeit (Stephen Keiht,  Basso Feld) erfahrbar zu machen und den animistischen Geist eines Ortes, der Geist,  der nicht spirituell verstanden wird,  sowie den Logos, die den Ort durchwirkende Gesetzmäßigkeit, zu offenbaren.

Die grundlegende Eigenschaften von besonderen Orten, also Orte (die in direktem Zusammenhang mit dem, was wir als „Landschaftselemente“ klassifizieren – Berggipfel, Quellen, Flüssen, Wälder und Höhlen), die Erfahrungen vermitteln, die sich vom Alltag abheben. Diese Orte  haben eine historische Dimension, so dass sie uns  an frühere Erfahrungen von anderen Menschen erinnern und sind so konstruiert, dass sie unser Bewusstsein in außergewöhnliche Zustände versetzen können (Paul Devereux – der heilige Ort).

In der Gestaltung von Erlebnisräumen kommt daher der Bewußtmachung  des Wesentlichen eines Ortes, der Fähigkeit,  mit der Phantasie des Zuhörers zu  spielen und für das sakrale eines Ortes zu sensibilisieren,  eine zentrale Bedeutung zu. Dem Fotografen Lois Hechenblaikner ist es durch seine Bilder gelungen, mögliche Wirkmuster in unsere Landschaftswahrnehmung und Landschaftsnutzung sichtbar zu machen und in uns ein neues Orts- und Alpenbewußtsein zu erwecken.