Das Waldviertel hat sich als erste österreichische Wanderregion vollzertifizieren lassen.
Der Prozess hat insgesamt zwei Jahre in Anspruch genommen, da es sich auch für den Gütesiegelverein um den Pilot handelte.
Die erste Zertifizierung einer Destination!
Der nunmehrige Interpretationsworkshop stellt (nach der Ausstellung des Zertifizierungsberichtes im Mai dieses Jahres) den Höhepunkt und Zwischenabschluß im Projekt dar. Für uns ist es eine gute Möglichkeit, das Erlebnisraummodell zu evaluieren und mit dem jetzigen Entwicklungsstand (es befinden sich zur Zeit 18 Regionen im Zertifizierungsprozess) abzugleichen.

- Berichtsband
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- Inhaltsangabe – Übersicht
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Mit 59 von 100 möglichen Punkten hat das Waldviertel die Mindesthürde von 51 Punkten erreicht. Als Auflage wurde allerdings als verbindlich noch zu erbringende Leistung der Aufbau einer Wanderangebotsgruppe von Betrieben eingefordert.
456 Erlebnisobjekte verortet
Spannend wurde es für die Workshopteilnehmer in der Erläuterung der Bewertung. Das Modell geht von einer Leitidee-getriebenen Produkt- und Angebotsgestaltung aus, die sich aus dem Markenbild der Destinaton erschließt. Daher ist es wichtig, eine Leitideen-Analyse, die Bewertung der Ressourcen und die davon abzuleitenden Potentiale durchzuführen. Die Verteilung der Erlebnisobjekte (Points of Interest – POI) im Raum ist die Grundlage für die Beurteilung der natürlichen Erlebnisstrukturen und deren touristische Nutzung. Insgesamt wurden zu diesem Zwecke 456 POI georeferenziert erfasst.

Gesamtbewertung Waldviertel
Gesucht, eine kraftvolle Leitidee:
Das Waldviertel firmiert unter dem Claim: “Wo wir sind ist oben!”. Das Südliche Waldviertel stellt seine Leistungen als “Mystisch, meditativ und kraftvoll!” dar. Dadurch ensteht aus unserer Sicht eine Zielkonkurrenz in den sozialen Grundmotiven (siehe Prezipräsentation) nach dem Züricher Modell (http://de.wikipedia.org/wiki/Motivation), der Gleichgewichtstheorie von Norbert Bischof zwischen Geborgenheits- und Herrschaftsmotiv.

Erlebnisraum - Markenintegrationsmodell
Himmel und Hölle als Bindeglied
Hier zeigte sich in der Diskussion ein spannender Lösungsansatz (kosmisches Gesetz – oben wie unten – Hermes Trismegistos), der im Landschaftserleben durch die “Hölle” und den “Himmel” authentisch gezeigt werden könnte. Die Aufgabenstellung, eine einheitliche Markengeschichte zu erzählen, wurde in der Gruppe erkannt und wird in der zukünftigen Produktaufbereitung und Markentintegration des Südlichen Waldviertels Berücksichtigung finden.

Mystisch - meditativ - kraftvoll
Die Landschaft aus anderen Blickwinkeln sehen!
Die Herausforderung (vor allem der Workshopteilnehmer) besteht im Mut, die Landschaft aus anderen Blickwinkeln zu sehen. So hat sich das Flußbild als wichtiges gestalterisches und verbindendes Raumelement herauskristallisiert, bei dem die raumprägende Bedeutung der Donau übersehen wird und sich der Peilstein als vernachlässigter Anker- und Orientierungsberg entpuppt.
 Ein Bergprofil mit 5 Tausendern |
 Flüsse, die das Landschaftsbild prägen |
Fünf Kernräume und drei natürliche Erlebnisdistrikte:
In der Erlebnisverdichtung kristallisieren sich fünf Kernräume heraus, die sich um die bedeutenderen Orte bilden, und zu drei differenzierenden natürlichen Erlebniseinheiten verdichtet werden sollten. Es zeigt sich aber auch, daß das Donauerlebnis mit dem Wallfahrtsort Maria Taferl derzeit in den regionalen Erlebnisraum nicht bedeutungskonform eingebunden ist. Der 22er Rundweg bindet nur teilweise die Schlüsselerlebnisse und die sechs einzelnen Themenwege, die einzeln bewertet wurden; sie können den Markenclaim “mystisch, meditativ, kraftvoll” nur ansatzweise einlösen. Die leitideekonforme Adaptierung des derzeitigen Rundweges (22er Weg) und narrative Einbindung der Einzelwege mit bedeutenden Attraktivierungmaßnahmen wird als wichtig erkannt.
 Natürliche Erlebniseinheiten - derzeitiges Wegesystem |
 Der Herzsteinweg - geprüft auf Herz und Nieren |
Die Hauptproblematik in der Weginszenierung liegt im Fehlen eines attraktiven Erlebnisverlaufes. Schwache und oft unklare Erlebnisstartplätze, unzureichende Vorbereitung auf das Erlebnis und die symbolische Verankerung der Erlebnisse ist entweder nicht gegeben (mystisch) oder ungenügend penetriert. Vor allem die Aufbereitung von erkennbaren und thematisch ausgerichteten Atmosphärenräumen ist nicht ausreichend gegeben. Ein herausstechendes positives Beispiel stellt allerdings der Traunfellner Kultur- und Kunstweg dar.

Symbolische Sprache - mystische Elemente
Ein wesentlicher Gestaltungsansatz in der Region liegt in einer Erlebnisaufbereitung der Gartenqualität, die verdichtet auf örtlicher Ebene stattfindet. Durch eine funktionelle Aufgabenstellung als Erlebnisstart- und -aufbereitungsinsel könnten die einzelnen Orte sich einserseits thematisch differenzieren und anderseits einen wesentlichen Beitrag für eine leitproduktkonforme Angebotsgestaltung liefern. Auf diese diskutierten Möglichkeiten wird aus konkurrenztechnischen Gründen nicht vertiefend eingegangen.

Problembereiche und Gestaltungsbeispiele
Die einzelnen diskutierten Interventionsebenen
Bedeutungsmanagement
In den Bereich Bedeutungsmanagement fallen vor allem die Inszenierung und gestalterische Aufbereitung der Region bzw. der Wanderwege und Wanderangebote. Im Zuge der gestalterischen Aufbereitung sind Atmosphärenraumgestaltung, Symbolsprache, gebaute Wahrzeichen, Landschaftsmöblierung, Blickpunktgestaltung und Attraktivierungsmaßnahmen mögliche Aktionen für die Umsetzung eines umfassenden Bedeutungsmanagements.
Servicedesign
Zu einem in sich stimmigen Servicedesign zählen Leitprodukte und ergänzende Dienstleistungen, die das Erlebnis vor Ort unterstreichen und erlebbar machen. Zu diesen Serviceleistungen zählen beispielsweise Wandershuttles, organisierte Wandertouren, Wanderprintmedien, Onlinemedien und andere Inklusivleistungsprogramme.
Erlebnislogistik
Ein optimiertes Orientierungs- und Informationssystem unterstützt die Orientierung und ergänzt das Wander- bzw. Destinationsangebot vor Ort. Hierzu zählen eine Willkommensinfrastruktur (Besucherzentren, Wanderstartplätze, Informationspunkte) und ein funktionierendes Besucherleit- und Lenksystem (Übersichtspläne, Beschilderung, Markierung und elektronische Führer, usw.).
Qualitätsmanagement
Zur Sicherstellung der Qualität des Angebotes und somit auch der Zufriedenheit der Gäste, ist ein umfassendes Qualitätsmanagement notwendig. Die Definition der Qualitätsanforderungen, eine kontinuierliche Umsetzung von Qualitätssicherungsmaßnahmen und deren Evaluierung sind die Eckpfeiler des Qualitätsmanagements in einer Region.
 Meditative-kraftvolle Ruheplätze |
 Meditativ-kraftvolle Sitzmöbel |
 Steine sprechen lassen |
 Steinsprache sprechen |
 Mystische Steinkultur entwickeln |
Beispielhafte Detailbeurteilung (Werbe- und Informationsmittel) der einzelnen Gestaltungsbereiche
Stärken:
- Der Gast erhält vielfältige Printmedien (Imagekatalog, Wanderkarten, spezifische Folder zu den Wanderwegen, Tourenblätter, usw.)
- Die Marke „Waldviertel“ ist durchgängig präsent und wieder zu erkennen
- Professionelle Imagebilder und professionelle Texte finden sich in den Imagekatalogen wieder
- Printmedien sind direkt im Tourismusbüro Yspertal zu erhalten und auch online zu bestellen
- Einheitlich, professionell und überschaubar gestaltete Imagekataloge und Wanderkarten
Schwächen und Verbesserungsvorschläge:
- Keine professionelle Gestaltung der spezifischen Erlebnislandkarten der regionalen Wanderwege. (Tourendatenblätter)
- Die Darstellung der Wanderroute auf den spezifischen Foldern ist schwer lesbar
- Es wird ein Berggipfelerlebnis kommuniziert, das in Konkurrenz zu ganz Österreich steht
- Potentielle Positionierungsleistung „Mystik“ auf den ersten Blick nicht erkennbar
Verbesserungsvorschläge - Integrationsmöglichkeiten:
 Erlebnisreiche Touren- und Routenpläne |
 Die Leitprodukte der Österreichischen Wanderdörfer |
Die Diskussion der Chancen, die sich aus der Leitmarke ” Österreichische Wanderdörfer” ergeben, zeigt, dass das Markenkonzept einen kreativer Spannungsbogen darstellt. Speziell die magischen Instrumente wie der Fokus auf Begegnungsqualität, das Erlebnis Natur ökologisch und lesbar aufbereitet, die Wiederbesinnung und Neuentdeckung der österreichischen Kulinarik gekocht mit heimischen Produkten, die neue Dimension der Erholung durch aktive Regenerationsangebote sind eine Fundgrube für neue Ideen und Leistungen.

Magische Instrumente der Wanderdörfer
Orte als Start- und Attraktionspunkte
Als zusammenfassendes Ergebnis wird die Weiterentwicklung der Orte als Erlebnisstartplatz in Gartenqualität für die ausgemachten Kompetenzthemen, die Überarbeitung des Leitwegekonzeptes auf Basis von thematisch-regionalen Erlebnisschwerpunkten und die Bildung einer betrieblichen Wanderangebotsgruppe vereinbart.
Die Diskussion über die Bildung einer Wanderangebotsgruppe wurde in einem eigenständigen Workshop mit den Betrieben der Region geführt. Dazu gibt es später einen Bericht.
Was sagen Sie dazu? – gerne lesen und hören wir ihre Meinung zur Destinationsgestaltung und – zertifizierung:
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